Bau eines 300mm  f/4  Astrographen

    mit zusätzlichem Korrektor-Reducer auf  f/3

  Bad Ischl  Februar 2010  /  Peter Grosspointner

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Inspiriert durch die tollen Astrographen von diversen “Edelanbietern“ und mangels finanzieller Möglichkeit,  entschloss  ich mich, einen solchen einfach selber zu bauen.

Nur sollte es ein Teleskop für möglichst alle Anwendungen werden. Gibt es nicht sagen da viele, aber Lichtenknecker hat uns das schon vor Jahrzehnten vorgemacht mit seinem legendären MPT.

Bei mir ist es auch ein MPT geworden aber angesichts meines astrofreundlichen Berufes, ich bin Maschinen- Schlosser, konstruierte und baute ich das Teleskop vorwiegend in meiner Mittagszeit. Deshalb auch die Bezeichnung Mittags-Pausen-Teleskop kurz MPT.

Als Basis wurde ein sehr guter Newton Hauptspiegel von Orion England mit einer Öffnung von 300mm und  F4  bei Teleskopservice Ransburg erworben. Beim Fangspiegel hatte ich das Glück, einen gebrauchten  Lomo  mit 100mm kleiner Achse zu bekommen. Anfangs dachte ich,  dieser wird wohl viel zu groß, aber mit wachsender Chipgröße ein unbedingtes Muss,  um nicht ein vignetiertes Gesichtsfeld zu bekommen.

 

   

Der langwierigste Teil war wohl die Planung auf Auto CAD, denn je länger man etwas plant umso mehr fällt einem dazu ein. So hat es eben bis zum First Light doch 2 Jahre gedauert, zugegeben habe ich doch nicht pausenlos an diesem Projekt gearbeitet.

 

 

 

 

Die Hauptspiegelzelle wurde als  9-punkt Lagerung ausgeführt.  Die radiale Abstützung erledigen 3 um 120 grad versetzte Kunsstoffschrauben, die eine eventuelle Längenausdehnung bei Temperaturschwankungen der aus Alu gefertigten Bauteile leichter aufnehmen. Ich verzichtete auf die obligatorischen Halteklammern am oberen Spiegelrand und ersetzte diese durch einen geschlossenen Ring mit etwas kleinerem Durchmesser als der Spiegel. Dieser trägt praktischerweise auch gleich das Blendrohr,  das aus einem runden Alu Parfümöl-Kanister mit zufällig passendem Durchmesser zweckentfremdet wurde. So werden auch die lästigen Beugungsstrahlen der Halteklammern beseitigt.

 

 

 

Die Spiegelzelle und  der Mittelring wurden mit einem Fachwerk aus Karbonstangen  gebaut,  was einer Temperaturkompensierung der Tubus Längendehnung zugute kommt. Natürlich mussten aus diesem Grund die Prismenschiene für die Montage an der Montierung  und die oberen und seitlichen Prismenklemmen für Zusatzgeräte schwimmend verbaut werden um nicht in Ausdehnungskonflikt mit den Karbonstangen zu kommen.

  

 

 

 

Diese schwimmende Lagerung besteht aus einem 0,5mm dünnen Blechplättchen das die Verbindung zwischen der Prismenschiene und dem unteren Basisring aufnimmt.

Es nimmt die Temperaturdrift in axialer Richtung auf wobei es Radial über genug Steifigkeit verfügt.

 

 

 

 

 

 

Diese Karbonstangen waren einst mal Nordic-Walking Stöcke,  die ich aus einem Sport Großhandel als Restposten günstig erworben hatte. Mit einem Durchmesser von 14 mm und genügend Wandstärke geben sie ein bombensicheres Fachwerk für den Tubus ab.

  
 

 

 

Folgt man nun den Walking-Stöcken zum oberen Teil des Teleskopes so sehen wir nun den oberen Basisring der den so genanten Hut aufnimmt.

 

 

 

 

Dieser ist durch exzentrisch einstellbare Kugellager um 360 grad rotierbar,  was einen immer perfekten Einblick und einen komfortablen Tausch gegen einen noch in Bau befindlichem zweiten “Hut“ mit kleinerem Fangspiegel für die visuelle Beobachtung ermöglicht.

In Verbindung mit dem FFC von Baader Planetarium und dem kleineren Fangspiegel wird aus dem Astrographen auch noch ein langbrennweitiger Newton, der am Mond und den Planeten sicherlich schöne Anblicke ermöglicht.

  
   

 

Doch zurück zum “Astrographenhut“, dieser ist in Länge mit 3mm starken Karbonplatten und oben so wie auch unten aus Aluringen gebaut. Zur Gewichtseinsparung und auch aus kosmetischen Gründen wurden diese Ringe mit unzähligen Löchern versehen und neben anderen wichtigen Bauteilen in rotem Eloxal gehalten.

  
 

 

 

Nur die Platte,  die den Okularauszug trägt wurde aus zwei 6mm Karbonplatten verklebt und verhindert eine Durchbiegung durch die Last des Okularauszuges mitsamt der Kamera und Zubehör, was mit einem Gewicht von gut 2 Kg zu Buche schlägt.

 

 

 

 

 

Der 3 Zoll Okularauszug von der Fa. JMI mit langem Kugellager-Abstand ist sicher einer der besten für schwere Kameras und Zubehör. Da ich nun in der glücklichen Lage bin einen 3 zoll Reducer Korrektor und einen Wynne Korrektor mein eigen zu nennen, hatte ich natürlich ein Problem mit der Lage der Korrektoren in Relation zum Fokus. Da der Reducer  um ca. 50 mm  näher beim Hauptspiegel liegt als der Wynne und die beiden auch noch unterschiedliche Auflagemasse  zum Chip haben, musste ich das Auszugrohr des Okularauszuges neu bauen um beide Korrektoren fokussieren zu können.

War doch das originale Auszugrohr bei einem Fokusweg von 25mm aus dem Werkstoff Aluminium,  entschied ich mich beim neuen für Nirosta bei höherer Festigkeit und einem Fokusweg von 60mm. Ein Robofocus erleichtert nun das Fokussieren in 0,005mm Schritten was bei einem Öffnungsverhältnis von f 3 absolut erforderlich ist.

  

 

 

 

 

Das ganze Gerät bringt nun doch an die 25 Kg auf die Waage was aber für meine Alt AD 5 Montierung noch kein Problem darstellt. Angesichts der 2 Brennweiten und noch dazu mit dem FFC variabel, ist dies ein absolut tolles Gerät,  das astrofotogaphisch keine Wünsche offen lässt.